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Nordsee: Nach Öl-Katastrophe im Hafen – Experten sind sich uneinig

Nach Öl-Katastrophe in Büsum sind sich Experten uneinig über die Auswirkungen auf das Meer. Das Ökosystem könnte jahrzehntelang leiden.

© IMAGO / Xinhua

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Eine massive Ölkatastrophe erschütterte am 6. März dieses Jahres den Nordsee-Hafen von Büsum. Zu sehen waren schwarze Ölspuren im Wasser und verendete Tiere. Feuerwehr, Polizei und Umweltexperten rückten sofort an, um das Desaster einzudämmen.

Mit Spezialbarrieren versuchten die Einsatzkräfte, das Öl in Schach zu halten, doch welche Folgen hat dieser Umwelt-Skandal langfristig? Experten streiten über die Auswirkungen auf das empfindliche Wattenmeer. Während einige aufatmen, weil „nur“ 100 Liter Dieselöl ins Wasser gelangten, schlagen andere Alarm.

Öl in der Nordsee: Seevögel in Lebensgefahr

Alina Claußen vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein warnt vor gravierenden Auswirkungen: „Die Verunreinigung im Meereswasser schädigt das gesamte marine Ökosystem von Mikroorganismen bis hin zu Meeressäugern. Insbesondere Seevögel können massiv von Öl beeinträchtigt werden, was zu Ertrinken, Verhungern oder Vergiftung führen kann.“

Der schnelle Einsatz der Behörden verhinderte eine Ausbreitung in das nahegelegene Wattenmeer, das als Nationalpark geschützt ist und als UNESCO-Weltnaturerbe gilt. Laut Claußen hätte ein Öleintrag in diesen sensiblen Lebensraum dramatische Folgen für dort lebende Tiere und Pflanzen haben können.

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Schnelle Reaktion der Einsatzkräfte rettet die Nordsee

Als besonders durch die Öl-Katastrophe gefährdet sieht Claußen die Brandgänse , die jedes Jahr im Juli und August mit rund 200.000 Tieren vor der Dithmarscher Küste ihr Gefieder wechseln und in dieser Zeit flugunfähig sind. Außerdem weist sie darauf hin, dass die Regeneration des Ökosystems Jahrzehnte dauern könnte und einige Schäden irreversibel sein dürften, doch es gibt auch optimistischere Stimmen.


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Florence Schubotz vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen sieht die Lage weniger dramatisch: „Da es sich um eine vergleichsweise geringe Menge handelt und die Einsatzkräfte schnell reagiert haben, gehe ich nicht von schwerwiegenden, langfristigen Folgen aus.“ Da Dieselöl auf der Wasseroberfläche schwimmt, konnte es größtenteils beseitigt werden.

Öl-Katastrophe: auch Nordsee-Bewohner an Land betroffen

„In dem Moment wo das Öl auf Land trifft, ist es schwierig es zu beseitigen, weil es dann großflächig verteilt ist und in den Boden eindringen kann“, so Schubotz. Die genaue Ursache des Unfalls wird noch ermittelt. Laut ersten Vermutungen könnte ein falsch angeschlossener Schlauch am Oberdeck eines Schiffes verantwortlich sein.

Schubotz betont: „Hier muss natürlich aufgeklärt werden, wie es zu so einer Situation kommen kann, damit man solche Vorfälle in Zukunft vermeiden kann.“ Umweltverbände fordern langfristig den Umstieg auf umweltfreundlichere Treibstoffe, um solche Unfälle grundsätzlich zu vermeiden. Aktuell setzt das Land Schleswig-Holstein auf eine organisierte Schadstoffunfallbekämpfung, die schnelle Reaktionen ermöglicht.